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Samstag, 8. Januar 2011

Güle güle: Und nächstens ne Kinderportion für zwei Personen

Essen ist - ja richtig: Nahrungsaufnahme, Kultur, Volkskunde, Zeitvertreib, Gaumenkitzel, Augenweide, Erlebnis - und im Falle eines Restaurants im türkischen Teil Zyperns (Fahne weiter unten rechts) ERSTAUNEN pur. Wir bestellen als Folge des "kleinen Hungers" am Nachmittag einen Salat und etwas Halloumi (zyprischer Ziegenkäse mit Minze) für die Dame; der Herr entscheidet sich ebenfalls für eine übersichtliche Portion Sheftalia (eine Art Rindgehacktes, gebraten).
Argwohn kommt auf, als der Kellner mit einem doppelstöckigen Servierwagen aus der Küchenflucht rollt und ängstliches Umsehen genau das bestätigt, was wir ohnehin schon wussten: Wir sind die einzigen noch wartenden Gäste; die Bedienung rumpelt mit einer unübersehbaren Menge Zeugs inklusive vier alkoholfreien Getränken auf UNS zu.

Mit Nachtisch kamen außer den drei bestellten Speisen 13 Vorspeisen - und davon nicht nur Kostprobe. Eine wahre Kraftanstrengung stand bevor...
-- im Restaurant zwischen Uralt-Verlademole...

...ausgedienten Heringsfässern ....

... und einem von der Zeit vergessenen Schiffskutter.

Womit also anfangen?

Mit ca. 1 Kg Salat mit Fetakäse ...


... oder dem Halloumi (gebraten) ...


... oder dem Sheftalia?

Und dann noch die Nachspeise!

Mehr als die Hälfte musste unangerührt bleiben.

Und dann lud der Wirt noch zum Kaffee in sein Wohnzimmer-Büro ein und machte die Rechnung:
35.000 Türkische Lira (TL) oder 17 Euro. Wer kann das begreifen? Danke.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Güzelyurter Marktkinder


Es war einmal ein Landstrich, der zu 82 Prozent den zypriotischen Griechen gehörte... Diese Realität ist seit 1974, als türkische Luftlandetruppen erst einem in Athen geplanten Komplott zur "Enttürkisierung" Zyperns zuvorkamen und dann in zwei Wellen selbst munter Landnahme betrieben, eine völlig andere: Der Norden des Eilandes ist bis auf wenige Hunderte Menschen "Griechen-frei" - und hat eine fast vollständig neue Bevölkerung: Neben etwa 100.000 türkischen Zyprern sind das vor allem mindestens ebensoviele Festlandstürken aus Anatolien. Hinzu kommen - wie in der Republik Zypern auch - Russen, Engländer, einige Deutsche. Und 40.000 hier stationierte türkische Soldaten.

Wir wollten den verschiedenen Ethnien in der nordzyprischen Republik bei unserem Besuch auf dem Markt in Güzelyurt (bis 1974 Morfu) einfach mal vorurteilsfrei ins Gesicht schauen - und blickten dazu vor allem Kindern in die Augen.






Mit dem Ins-Auge-Schauen war es nicht immer einfach...


Ok, er hier ist aus dem Kindesalter schon längst raus - hat aber wohl noch sein Mützchen von damals auf...




Verstehe einer die Welt: Dieser freundliche Marktverkäufer hat 15 Jahre in Ostdeutschland gelebt und gearbeitet; sprach uns von selbst auf Deutsch an (Was verrät uns eigentlich als Deutsche?). Weil er ein in Nordzypern lebender Festlandstürke ist, darf er die innerzyprische Grenze nicht passieren. Seine Frage, wo wir denn "da drüben wohnten" erinnert mich an meine deutsch-deutsche Geografie-Ahnungslosigkeit noch im Jahr 1986, als ich westdeutsche Schüler seinerzeit auf der Wartburg fragte, woher sie denn kämen? Antwort damals: aus Eschwege. Obwohl nur Luftlinie 30 km entfernt von Eisenach, hatte ich den Namen dieser hessischen Kleinstadt noch nie gehört. Unserem Gesprächspartner ging es nicht anders: "Pomos, wo ist das?" - 50 km von Güselyurt entfernt.