Sonntag, 31. Oktober 2010

Güzelyurter Marktkinder


Es war einmal ein Landstrich, der zu 82 Prozent den zypriotischen Griechen gehörte... Diese Realität ist seit 1974, als türkische Luftlandetruppen erst einem in Athen geplanten Komplott zur "Enttürkisierung" Zyperns zuvorkamen und dann in zwei Wellen selbst munter Landnahme betrieben, eine völlig andere: Der Norden des Eilandes ist bis auf wenige Hunderte Menschen "Griechen-frei" - und hat eine fast vollständig neue Bevölkerung: Neben etwa 100.000 türkischen Zyprern sind das vor allem mindestens ebensoviele Festlandstürken aus Anatolien. Hinzu kommen - wie in der Republik Zypern auch - Russen, Engländer, einige Deutsche. Und 40.000 hier stationierte türkische Soldaten.

Wir wollten den verschiedenen Ethnien in der nordzyprischen Republik bei unserem Besuch auf dem Markt in Güzelyurt (bis 1974 Morfu) einfach mal vorurteilsfrei ins Gesicht schauen - und blickten dazu vor allem Kindern in die Augen.






Mit dem Ins-Auge-Schauen war es nicht immer einfach...


Ok, er hier ist aus dem Kindesalter schon längst raus - hat aber wohl noch sein Mützchen von damals auf...




Verstehe einer die Welt: Dieser freundliche Marktverkäufer hat 15 Jahre in Ostdeutschland gelebt und gearbeitet; sprach uns von selbst auf Deutsch an (Was verrät uns eigentlich als Deutsche?). Weil er ein in Nordzypern lebender Festlandstürke ist, darf er die innerzyprische Grenze nicht passieren. Seine Frage, wo wir denn "da drüben wohnten" erinnert mich an meine deutsch-deutsche Geografie-Ahnungslosigkeit noch im Jahr 1986, als ich westdeutsche Schüler seinerzeit auf der Wartburg fragte, woher sie denn kämen? Antwort damals: aus Eschwege. Obwohl nur Luftlinie 30 km entfernt von Eisenach, hatte ich den Namen dieser hessischen Kleinstadt noch nie gehört. Unserem Gesprächspartner ging es nicht anders: "Pomos, wo ist das?" - 50 km von Güselyurt entfernt.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Na diese kleinen sind ja alle zucker süß.Schöne Aufnahmen.Ja wie immer.Gelungende Schnappschüsse.

Josy und Findus

Martina W aus P. hat gesagt…

Schöne Reportage lieber HW!

Herrliche Kinderfotos von Kindern, die hoffentlich eine geeinte Zukunft vor sich haben werden. Da hat der Profi aber im richtigen Moment abgedrückt.

Und doch: Dieser Vergleich zwischen Zypern und Deutsch/Deutsch ist sehr nahe. Und ein Vegleich der einen vieles Klarmacht.Vorallem wie nah die Dinge sind.Egal wo man auf dieser Welt wohnt.....

Herzliche Grüße nach Zypern aus Potsdam. Ich habe gerade einen Film über das heutige Zypern, auf ZDF Info gesehen. Der Artikel gibt schon die eine oder andere Sequenz aus diesem Film, in verglüffender Weise wieder. Unglaublich!!

Martina